LOADING ...

0 %
Nikolaos Kofidis
👉🏼 Digital Lead & Product Strategy 🚀
  • Wohnort:
    Dortmund
  • Geburtstag:
    20.03.1990
  • OS:
    Mac & Windows
Sprachen
  • Deutsch - Muttersprache
  • Griechisch - Muttersprache
  • Englisch - Verhandlungssicher
FÄHIGKEITEN
  • IT-PROJEKTMANAGEMENT
  • PRODUKTSTRATEGIE
  • CHANGE & AGILE LEADERSHIP
  • MARKET & TREND SCOUTING
  • COMMUNICATION & MEDIA
  • DATENBASIERTE STEUERUNG
  • PRIORITY & DECISION
  • MODULARISIERUNGSSTRATEGIE
  • UNIT ECONOMICS
Degrees & Certificates
  • Bachelor of Science (Bsc.)
  • PSPO I (SCRUM)
  • PSM I (SCRUM)
  • Interaction Room
  • Fitnesstrainer C-Lizenz
TOOLS
  • Jira, Azure DevOps, Asana
  • Adobe Creative Cloud
  • AI, Data & Innovation Tools
  • Figma / Miro

5 Jahre DiGA: Erfolgsmodell, Baustelle und Zukunftsversprechen

27. März 2026

Ein Rückblick auf den DiGA-Report 2025 des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung

Als Deutschland im Oktober 2020 als erstes Land weltweit digitale Gesundheitsanwendungen in die Regelversorgung aufnahm, war das ein Experiment. Fünf Jahre später zieht der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV) mit seinem dritten DiGA-Report Bilanz – und die fällt beeindruckend, aber auch ernüchternd aus.

Die Zahlen: Wachstum, das sich sehen lassen kann

Über 1,7 Millionen Mal haben Patient:innen in Deutschland seit 2020 eine digitale Therapie genutzt. Allein im Jahr 2025 wurden rund 690.000 Freischaltcodes eingelöst – ein Wachstum von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: In den ersten vier DiGA-Jahren zusammen waren es knapp 861.000 Einlösungen. Das fünfte Jahr hat diese Gesamtzahl fast verdoppelt.

58 DiGA sind aktuell im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet, 48 davon dauerhaft. Knapp 70 Prozent der vorläufig aufgenommenen Anwendungen haben ihr Erprobungsjahr erfolgreich abgeschlossen – ein Zeichen, dass das Fast-Track-Verfahren funktioniert und die Evidenzanforderungen realistisch, aber anspruchsvoll sind.

DiGA sind keine Nischentechnologie mehr. Sie haben sich, wie der Report formuliert, als dritte Säule der Versorgung etabliert – neben der ambulanten und stationären Behandlung. Das ist keine Marketing-Phrase, das ist eine strukturelle Realität im deutschen Gesundheitssystem.

Mental Health: Der dringlichste Anwendungsfall

Kein Bereich zeigt den Wert und die Notwendigkeit digitaler Therapien so deutlich wie die psychische Gesundheitsversorgung. Mit 30 von 58 gelisteten DiGA führt die Kategorie „Psyche“ das BfArM-Verzeichnis mit großem Abstand an. Das ist kein Zufall.

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer wachsenden Versorgungslücke: Bis 2040 werden jährlich 2.500 ambulant tätige Ärzt:innen fehlen. Der Mangel an Psychotherapeut:innen macht sich bereits jetzt schmerzhaft bemerkbar. Patient:innen warten im Schnitt 20 Wochen vom Erstkontakt bis zum Therapiebeginn – fünf Monate, in denen eine psychische Erkrankung unbehandelt bleibt, sich verfestigt, eskalieren kann.

DiGA können diese Lücke nicht schließen, aber sie können sie überbrücken. Eine App gegen Depressionen, eine digitale Therapie bei Angststörungen, ein evidenzbasiertes Schlafprogramm – diese Angebote sind nicht der Ersatz für menschliche Psychotherapie, aber sie sind sofort verfügbar, ortsunabhängig, jederzeit zugänglich und klinisch geprüft.

Der Report zitiert Daten aus dem Innovationsfonds-Projekt „ImplementDiGA“: 62 Prozent der DiGA-Nutzer:innen berichten eine Verbesserung ihrer Lebensqualität, 69 Prozent ein verbessertes Wissen über ihre Erkrankung und deren Behandlung. Und der Anteil der Patient:innen, die ihre DiGA bis zum Ende der Verschreibungszeit nutzten, stieg von 58 Prozent (2023) auf 75 Prozent (2025).

Das sind keine trivialen Zahlen. Das ist Wirkung!

Die Baustelle: Was das System ausbremst

Der Report wäre unehrlich, wenn er nur Erfolge feierte. Und das tut er nicht. Es gibt drei zentrale Problembereiche, die das Wachstum der DiGA-Versorgung strukturell hemmen.

1. Der Zugang ist immer noch zu kompliziert

Von der Verordnung bis zur tatsächlichen Nutzung einer DiGA vergehen im Durchschnitt 14 Tage. Das ist bei einem Medikament, das man sofort in der Apotheke bekommt, undenkbar. Bei DiGA ist dieser Umweg über die Krankenkasse bisher unvermeidbar.

Das E-Rezept sollte das ändern – ursprünglich geplant für 2022, dann verschoben auf 2024, dann auf 2025. Bis heute ist keine funktionierende Lösung im Einsatz. Ein Pilotversuch in Hamburg zeigte, dass der geplante Prozess über die E-Rezept-App der gematik neun Schritte erfordert – gegenüber zwei Schritten beim Arzneimittel. Das Ergebnis: Nur 12,6 Prozent der ausgestellten DiGA-E-Rezepte wurden volldigital eingelöst, trotz extra Schulung der Praxen.

Ein System, das Patient:innen zwingt, eine PIN für ihre Gesundheitskarte zu beantragen, eine GesundheitsID einzurichten und mehrere Apps zu installieren, bevor sie ihre Therapie starten können, ist kein digitaler Fortschritt. Es ist ein analog gedachter Prozess in digitalem Gewand.

Die eigentliche Frage ist dabei keine technische, sondern eine konzeptionelle: Was wäre, wenn man digitale Gesundheitsanwendungen nicht als einzelne Apps denken würde, sondern als Einstiegspunkte in ein Ökosystem? Eine Plattform, in der sich Patient:innen einmal orientieren, einmal authentifizieren – und von dort aus nahtlos auf alle relevanten Angebote zugreifen. Nicht zehn Apps für zehn Indikationen, sondern eine konsistente Umgebung, die mitwächst. Weniger App-Denken, mehr Betriebssystem-Denken. Einige Hersteller beginnen genau in diese Richtung zu denken – und die nächste Generation digitaler Gesundheitsprodukte könnte zeigen, dass dieser Ansatz nicht nur nutzerfreundlicher ist, sondern auch die Versorgungskontinuität stärkt, die dem aktuellen System so oft fehlt.

2. Regulierung wächst schneller als das Ökosystem

Seit 2025 müssen DiGA-Hersteller ihre Produkte nach der BSI Technischen Richtlinie 03161 zertifizieren. Das Ziel – Schutz sensibler Gesundheitsdaten – ist richtig und wichtig. Die Umsetzung hat jedoch Nebenwirkungen: Das Zertifizierungsverfahren verlängert den Antragsprozess von drei auf mindestens neun Monate. Das gefährdet das Fast-Track-Verfahren, das DiGA erst groß gemacht hat.

Hinzu kommt die anwendungsbegleitende Erfolgsmessung (AbEM), die ab Februar 2026 verpflichtend ist. Der SVDGV begrüßt die Intention – mehr Transparenz über die Versorgungsqualität – kritisiert aber die Ausgestaltung als bürokratisches Übermaß ohne proportionalen Erkenntnisgewinn.

3. Zu wenige neue DiGA kommen nach

2025 wurden nur sechs neue DiGA in das BfArM-Verzeichnis aufgenommen. In den Anfangsjahren waren es deutlich mehr. Die Eintrittshürden wachsen, und das trifft vor allem junge Unternehmen, die den Innovationsmotor dieses Ökosystems antreiben.

Die Zukunft: KI und der europäische Horizont

Wo stehen DiGA in fünf Jahren? Der Report gibt zwei entscheidende Antworten.

Künstliche Intelligenz als nächste Dimension

Der EU AI Act zwingt alle Akteure im Gesundheitssystem dazu, sich mit KI auseinanderzusetzen – nicht irgendwann, sondern jetzt. DiGA, die auf KI basieren, genießen bereits heute eine Sonderregelung in der Vergütung. Aber das Potenzial geht weit darüber hinaus: KI-gestützte DiGA könnten Therapieinhalte individuell anpassen, Rückfälle früh erkennen, Behandlungsverläufe in Echtzeit auswerten.

Das wäre keine Digitalisierung der Gegenwart. Das wäre eine Neudefinition dessen, was ambulante Versorgung bedeuten kann.

Europa als nächster Schritt

Deutschland hat mit dem DiGA-System einen klaren Vorteil: ein funktionierendes, international beachtetes Rahmenwerk mit Evidenzanforderungen, die weltweit ihresgleichen suchen. Bereits heute werden ab Juli 2026 in der Schweiz erstmals digitale Gesundheitsanwendungen aus Deutschland im Bereich Depressionsbehandlung von der obligatorischen Krankenversicherung erstattet.

Im Juni 2025 haben das BfArM und die französische Zulassungsbehörde HAS eine Absichtserklärung unterzeichnet, gemeinsam an harmonisierten Bewertungsrahmen für digitale Medizinprodukte zu arbeiten. Deutschland und Frankreich als treibende Kräfte einer europäischen DiGA-Harmonisierung – das wäre ein Schritt, der Millionen weiterer Patient:innen in Europa Zugang zu klinisch geprüften digitalen Therapien verschaffen könnte.

Fazit: Ein Pflänzchen, das Pflege braucht

Der DiGA-Report 2025 nutzt selbst das Bild des „zarten Keimlings, der zu einem vitalen Pflänzchen herangewachsen ist“. Das trifft es gut. Die DiGA-Versorgung funktioniert, wächst, wirkt. Aber sie ist noch fragil.

Was sie jetzt braucht, ist kein weiterer Regulierungsschub, sondern konsequente Vereinfachung: ein E-Rezept-Prozess, der diesen Namen verdient. Schnellere Zulassungsverfahren, die Innovation ermöglichen, statt sie zu verlangsamen. Und ein europäischer Rahmen, der deutschen DiGA-Herstellern endlich den Marktzugang gibt, den ihre Produkte verdienen.

5 Jahre DiGA haben bewiesen: Das Modell funktioniert. Jetzt muss das System lernen, ihm nicht im Weg zu stehen.

👉 Hier gehts zum Report: DiGA-Report 2025

Posted in Digitalisierung, TechnologyTags:
Write a comment